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Veröffentlicht am 06.05.2017 von Johannes R. Buch

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Gladstone Anderson

Er gehörte zu den wichtigsten Musikern Jamaikas. Sein Schaffen trieb die Entwicklung des Ska, Reggaes und Dancehalls maßgeblich voran. Oft übernahm er als Arrangeur das Kommando im Studio. Am 3. Dezember 2015 starb der Musiker im Alter von 81 Jahren.

Gladstone Anderson spielte in den Gruppen, die für den Großteil der jamaikanischen Hits der 1960er und 1970er Jahre verantwortlich waren. Wenn ein Sänger mit einen neuen Song ins Studio kam, war es „Gladdy“, der nahezu immer die passende Idee hatte, wie der Song sich entwickeln könne. Alles – vom Verse, über den Refrain bis hin zum Solo, dem Rhythmus und der Basslinie. Der spirituelle Gladstone Anderson strahlte dabei stets Ruhe und Frieden aus. Die Geschichte des jamaikanischen Reggaes kann nicht ohne ihn erzählt werden. Am 18 Juni 1934 kommt Gladstone Anderson als ältestes von acht Geschwistern in Kingston zur Welt. Sein Onkel Aubrey Adams brachte dem kleinen „Gladdy“ das Klavierspiel und Musiktheorie bei.

Nach der Schule beginnt er eine Lehre als Schneider, um über die Runden zu kommen. Sein hervorragend spielender Onkel stellt ihn später, kurz vor seiner Abreise nach Kanada, Duke Reid vor. Gladstone Anderson wirkt darauf hin auf frühen Veröffentlichungen des Treasure Isle-Produzenten mit. Die Musik der Aufnahmen sind rührselige Liebeslieder, Rhythm & Blues und Rock´n´Roll. Bis 1975, dem Jahr in welchem Duke Reid stirbt spielt Gladstone Anderson eine wichtige Rolle bei Treasure Isle. Während der Rocksteady-Ära kann er sein ganzes Können bei The Jets unter Beweis stellen. Das Cover „Take It Easy“ von Hopeton Lewis wird zum Hit.

Aufkommen des Reggaes und Gladstones Einfluss

Zur gleichen Zeit gründet er das Gesangsduo Stranger & Gladdy. „Just Like A River“ wird zum großen Erfolg des Duetts, welche auch enge Freunde wurden. Auf dem Jets-Album „Glad Sounds“ wird das Klavierspiel Andersons erstmals in den Mittelpunkt des Geschehens gerückt. Als Ende des Jahrzehnts ein neuer Stil namens Reggae die Insel erobert legt er noch einen drauf. Als Teil der All Stars Band schreibt er eine große Serie an Hits, von denen einige es sogar in die britischen Popcharts schafften, darunter „Israelites“ und „Wonderful World, Beautiful People“.

Gladstone Anderson war es, der während der Phase des Early Reggaes den Riddim schuf – eine geshufflete Spielweise der Instrumente. Der Reggae war geboren. Mit Stranger Cole macht er immer noch ein paar Aufnahmen, von denen v.a. der Song „Conqueror“ für seine harmonische Brillanz zu erwähnen ist. Als sich die Wailers gerade im Umbruch befinden, bittet ihn Bob Marley höchstpersönlich um seine Unterstützung am „Natty Dread“ – Album. Gladstone spielte darauf die Gitarre, wurde aber nie dafür bezahlt. Nachdem Gladdy in den 1970 an einer ganzen Reihe internationaler Projekte beteiligt ist, hat er in den 1980er Jahren mehr Zeit seiner Solokarriere nachzugehen. Es entstehen zwei Alben – „Songs For Today And Tomorrow“ sowie dem Dub-Gegenstück „Radical Dub Session“.

Erfolg im Fernen Osten

Am bemerkenswertesten ist zu der Zeit wohl die steigende Beliebtheit Gladstones im Fernen Osten. Sein Konzert in Tokio 1987 wird von den Fans frenetisch gefeiert. Es folgen weitere Alben des Pianisten. 2006 wird ein Dokumentarfilm namens „Ruffn Tuff: Founders Of The Immortal Rhythm“ gedreht, in welchem Gladstone eine zentrale Rolle gewidmet ist. Der Film war leider nur in Japan erhältlich, diente aber als Vorlage für die spätere Doku „Rocksteady: The Roots Of Reggae“. Gladstone gehört zu einer Handvoll Musiker, die den Reggae in seiner Entstehung prägten und veränderten. Seinem Tod im Alter von 81 Jahren geht eine lange Krankheitsphase voraus. Er hinterließ eine große Lücke bei seinen Angehörigen, Freunden, Fans und Kollegen.

photocredit: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Gladstone_anderson.JPG

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