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Veröffentlicht am 01.04.2017 von Johannes R. Buch

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Talawah Sound – „Dancehall A Mi Everything“

Sein Sound gehört zu den angesagtesten der Republik. Mittlerweile genießt der Hanseat eine große Fanbase. Die Heimatstadt Hamburg prägt sein durchwachsenes Leben. Der Deutsch-Jamaikaner war dabei immer Gefangener zweier Welten.

Leben

Michael „Juggla“ Minott ist das zweitälteste von sechs Geschwistern und wächst in Hamburg Harburg auf. Schon im Kindergarten wird der Deutsch-Jamaikaner früh mit der Realität konfrontiert, wird aufgrund seiner dunklen Hautfarbe vom Spielen ausgeschlossen. Sein Vater ist ein jamaikanischer Rasta, seine Mutter eine Deutsche – Reggae hörende Exoten des Vororts. Familienurlaube werden des Öfteren in Jamaika verbracht. Mit der gutausgestatteten Plattensammlung seiner Eltern begeht Minott in den frühen 1990er Jahren erste Auftritte auf Haus-Partys als DJ. Das Jahrzehnt ist turbulent für den Teenager, er verlässt das Gymnasium für ganze zwei Jahre, kehrt dann aber zurück.

Eine Zeit agiert er in Rap-Battles, kehrt aber zurück zum Dancehall. Doch die Hamburger Reggae-Szene ist stark mit dem Punkrock verwoben, anders als das was Juggla aus seiner Heimat kennt. Juggla beschließt seine eigene Gruppe aufzumachen. Sein damaliger MC, der mittlerweile leider den Drogen und dem Alkohol verfallen ist bringt die Crew in einer schicksalhaften Nacht um `99/2000 in arge Schwierigkeiten mit dem damaligen Silly Walks Movement, bei dem ein Mitglied schwer verletzt wird und ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Juggla selbst war in der Nacht nicht dabei. Er und die Gang werden ein paar Jahre von allen größeren Dances der Hansestadt ausgeschlossen. Mitgefangen ist Mitgehangen.

Der Weg zum MC

Seinen Namen hält Juggla mit kleineren Mixtapes im Gespräch, tritt mitunter auf Partys aus. Nachdem sein MC zum unkalkulierbaren Risiko für die Crew wird, nimmt Juggla das Mic selbst in die Hand. Es sollen sich für ihn neue Perspektiven eröffnen. 2003 lernt er den Gambier Rebellion the Recaller kennen, welchen er für zwei Jahre bei seinen Shows begleitet. IN seiner heutigen Heimstätte, dem Terrace Hill veranstaltet er ab 2005 seine ersten Dances als Talawah Sound. Bei Kingsleys „Inna Di Dance“ –Partys wird er im selben Jahr noch einer der Residenten. Der frische Dancehall-Sound bildet einen Kontrast zur alteingesessenen Reggae-Szene der Stadt und spricht ein ganz neues Publikum an.

Juggla baut sein Business zudem mit einem eigenen Klamotten-Laden auf dem Kiez aus. 2007 springt er für einige Monate als MC bei Lars Vegas´ Kangaroots Sound ein und verteidigt währenddessen seine Qualitäten am Mic. Über eine Performance wird daraufhin heiß im Internet diskutiert. Juggla wird zum Co-Veranstalter von Lars Vegas´ „Dancehall Explosion“ im angesagten Grünspan an der großen Freiheit. Dort soll er sich schon bald seine eigene Partyreihe aufbauen. Kingsley ist von der „Badda Badda“ – Reihe Jugglas jedoch wenig begeistert und stellt ihn vor die Wahl: „Badda Badda“ oder „Inna Di Dance“.

„Badda Badda“

Juggla entscheidet sich für erstere Veranstaltung welche fortan monatlich stattfindet und aus den ehemaligen Kollegen werden Konkurrenten. Ein sogenannter „Kalter Krieg“ entflammt hinter den Kulissen der Veranstaltungen. „Badda Badda“ entwickelt sich derweil zum angesagten Hotspot für authentische jamaikanische Clubmusik. Seit 2016 startet „Badda Badda“ wieder an der alten Location im Terrace Hill durch. Zur Aufmachung der Partyreihe gehören stylische Artworks, ein eindeutiges Konzept und v.a. ein voller Dancefloor.

Juggla blieb immer er selbst, auch wenn viele Leute der Reggae-Szene seine Hardcore-Schiene kritisierten. In einem Interview meint der MC, man solle bei aller Toleranz, auch gegenüber „weißem“ Reggae immer die Wurzeln der Musik beachten. „Reggae Music ist Black People Music“ – so der Artist. Wer sich also sein eigenes Reggae-Ding zusammenbastelt soll bitteschön nicht ganz vergessen wo es herkommt. Für die zu verkopften Deutschen sei Reggae und Dancehall ideal, um auch mal abzuschalten, erzählt Juggla. Auch verteidigt der MC sein verarmtes Heimatland Jamaika und deren Musik vor so mancher Kritik. Heute zählt der Selector und mittlerweile zweifache Vater zu den angesagtesten der europäischen Szene.

photocredit: https://www.facebook.com/talawahsound/photos/pb.134226624386.-2207520000.1462087882./10153743914119387/?type=3&theater

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