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Veröffentlicht am 02.05.2016 von Johannes R. Buch

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Alborosie – „Freedom & Fyah“

Von Zwängen und Erfolgsdruck, sowie religiösen Beschränkungen und den Vorwürfen, die man sich als europäischer Reggae-Musiker gefallen lassen muss hat sich Alborosie befreit. Dazu gehört aber auch das Experimentieren mit neuen Sounds. Eigenen Sounds.

In Alborosies Schatzkammer, seinem Tonstudio, stapeln sich Fender Rhodes Piano, Hammond Orgel und Hohner Clavinet. Gegenüber ein Vistalite Schlagzeug von Ludwig in durchsichtig schimmerndem Blau. Des Weiteren findet man in der Dub-Höhle ein originales Casiotone MT-40 und einige Gitarrenverstärker. Über eine steile Holztreppe erreicht man die Regie, welches mit einem Sony MXP 3000 Mischpult ausgestattet ist. Der Albumtitel „Freedom & Fyah“ steht symbolisch für Alborosies Befreiung von der Vergangenheit. Sich frei fühlen und die Leidenschaft in seiner Seele erwecken, wofür die Seele brennt, darum geht es dem Künstler.

Die Bläser auf dem Album klingen wie ein altertümliches Choral, wie man es von der Kirchenmusik kennt. Das Intro „The Prophecy“ vermittelt den Beginn einer neuen Zeit. Der nächste Song „Cry“ wird von runden Bassläufen, extra tiefen Toms und markanten Bläsern getragen. Schon als Teenager wurde Alborosie in seiner Heimat Italien zum Star. In „Fly 420“ dominieren elektronische Dubstep-Elemente. Die Stimmung ist urban, nächtlich. Das hat nichts mit Calypso und Insel-Reggae zu tun. Seit er 15 ist sammelt der Musiker Vintage-Geräte, manche hat er noch aus Italien, andere kauft er sich auf seinen Reisen. Für Alborosie steht fest, dass der Sound aus ihm selbst kommt, nicht aus den Maschinen.

Düsterer Sound

Dub muss dunkel sein, so Alborosie zu seinem Werk. Der Vibe ist metallisch und rockig. Halleffekte sorgen zudem für sphärische Sounds. Selbst erklärt der Künstler sein Schaffen mit der Evolution des Dubs. Der früher depressive Musiker begann damals zu meditieren, bereist heute die ganze Welt und vertraut dem, was seine Augen sehen. Öffentliche Anfeindungen lassen Alborosie mittlerweile kalt. Auch die, dass er und Gentleman die jamaikanische Kultur stehlen würden. Er argumentiert, dass seine Frau, sein Sohn und seine Musiker Jamaikaner sind und er seit beinahe 20 Jahren hier wohnt. Die Musik gehöre keiner Kultur, sondern jedem, so Alborosie. Seine Devise ist weniger reden und mehr musizieren. Im Unterschied zu früheren Alben gab Alborosie nun einige Parts, wie das Mixing an andere weiter. Früher habe ich jeden Tag im Studio verbracht, so Alborosie. Mittlerweile gibt es auch ein paar Ruhezeiten in seinem Zeitplan.

Die akustische Isolierung bereitet ihm noch Sorgen. Doch trotzdem ist es der Ort, an dem er seine Zeit am liebsten verbringt. Mit der Geburt seines Sohnes Marco stieg bei dem Musiker das Gefühl der Verantwortung für seine Familie. Jamaika ist nicht gerade das sicherste Pflaster, die Mordrate des Landes steht auf Platz 6 der internationalen Kriminalstatistik. In Kingston geht es aber auch durch den regen Tourismus verhältnismäßig ruhig zu. Doch insgesamt steigt die Kriminalität. Alborosies eigene Wohngegend wird bewacht, was dem Musiker aber noch längst kein Gefühl der Sicherheit vermittelt. Doch der Sizilianer kennt sich aus mit Gangstern. Als Tourismus würde man höchstens beklaut, braucht sich keine Sorgen machen. Doch gerade erfolgreiche Leute sehen sich nicht selten in einem Spannungsfeld.

„Jamaikaner sind wunderbare Menschen“

Trotz allem ist Alborosie glücklich hier zu leben. Einige seiner Freunde unterstützt er mit dem Bezahlen ihrer Arztrechnungen oder dem Einkauf. Ab und zu fährt er zu seinem kleinen Haus in Portland um dort fischen zu gehen. Alborosie liebt sein Land. „Niemand bekommt mich hier weg“ so der Dub-Künstler. Von seinem gelackten Manager – Clifton „Specialist“ Dillon, der ihn und andere ständig pushte hat sich Alborosie jedoch mittlerweile getrennt. Nun managt er sich selbst und feilt an seinen internationalen Durchbruch.

photocredit: By Eurockéennes de Belfort (Alborosie_Eurockeennes2008) [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons

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